AKTUELL
WORKSHOP IN WALES
Blick vom Ogwen-Wasserfall ins Nant-Ffrancon-Tal, Wales 2016
(Zum Anzeigen der Bearbeitungsstufen Bild klicken!)
Mein Foto-Workshop in Wales mit dem britischen Landschaftsfotografen David Osborn ist nun vorüber. Und ich muss schon sagen: Es war eine harte Woche! Wir sind an zwei Tagen um fünf Uhr aufgestanden, um noch vor Son­nen­auf­gang am Motivort zu sein, wo wir dann zwei bis drei Stunden verbracht haben. Dann stand die Ausarbeitung der Aufnahmen mit Photoshop auf dem Programm. Und zum Abendlicht nochmal raus in die wirklich atemberaubende Land­schaft. David hat mich nicht geschont! (Zur Erinnerung: Ich war sein einziger Schüler!) Doch ich habe viel gelernt.
ARBEITEN WIE EIN LANDSCHAFTSMALER
Davids Landschaftsaufnahmen haben die Anmutung von Gemälden – und er arbeitet auch wie ein Maler! Die Bilddaten aus der Kamera sind für ihn Rohmaterial, aus dem er mittels Photoshop über eine Vielzahl von feinen Ar­beits­schrit­ten das endgültige Bild nach und nach "herausschält", wie ein Bildhauer aus einem Marmorblock. Der größte Fehler ist, so sagt er, die Bildoptimierung mit wenigen großen Schritten erreichen zu wollen. Funktionen mit Schiebereglern oder Opti­mie­rungs­auto­ma­tiken, wie es sie auch in Photoshop gibt, sind David ein Graus. Stattdessen führt er die Maus wie ein Land­schafts­maler mit sanften weichen Strichen, gibt Bildteilen Plastitizität, hellt sie auf oder dunkelt sie ab, arbeitet Schattendetails und Lichterzeichnung heraus und vieles mehr. Bei aller Detailarbeit darf aber der Blick fürs Ganze nicht verloren gehen. Man sollte sich möglichst früh (am besten schon bei der Aufnahme) darüber klar werden, was der Hauptteil des Bildes ist und was die Nebenteile. Wie möchte ich durch Lichtführung und Hell-Dunkel-Ausarbeitung den Blick des Betrachters lenken?
NIX FÜR MASSEN-KNIPSER
Eine solche Arbeitsweise braucht natürlich Zeit; die Ausarbeitung eines einzigen Bildes kann durchaus viele Stunden (oder Tage!) beanspruchen. (Nix für Massen-Knipser und Facebook-Poster! Übrigens auch nix für Photoshop-An­fänger.) Entsprechend kann ich hier nicht eine Fülle von Wales-Bilder, die ich innerhalb einer Woche zusammen mit David ausgearbeitet habe, präsentieren. Eigentlich sind es nur drei, von denen ich vor allem eines näher vorstellen möchte: eine Aufnahme am Rhaeadr Ogwen (Ogwen-Wasserfall) mit Blick ins Nant-Ffrancon-Tal an einem nebeligen Abend. (Visit Wales – not always raining!)

Das ausgearbeitete Foto ist oben zu sehen. Ein Klick auf das Bild startet eine Animation von der ursprünglichen Aufnahme (genaugenommen waren es mehrere) über verschiedene Zwischenstufen zum fertigen Bild. Damit keine Missverständnisse entstehen: Eine Stufe bedeutet nicht einen Arbeitsschritt, sondern eine Reihe verschiedener Schritte bestehend aus ganz unterschiedlichen Arbeitsweisen. Zwischen zwei Stufen liegen zum Teil mehrere Stunden Arbeit. Insgesamt hat die Ausarbeitung rund neun Stunden gedauert – mit Davids Hilfe und Anleitung natürlich.
KAMERA UND PHOTOSHOP SIND PINSEL UND FARBEN
David hat keine fertigen Rezepte und ultimativen Photoshop-Tricks auf Lager, wie es viele Fotobücher versprechen. Es geht ihm vielmehr um die Vermittlung einzelner Arbeitstechniken, um Bildteile oder das ganze Bild gezielt und sehr präzise zu verbessern, und der geschickten Kombination dieser Techniken. Wichtig ist ihm dabei, vorausschauend zu denken und das gewünschte Zwischen- oder Endergebnis vor Augen zu haben. Um noch mal den Vergleich zur Landschaftsmalerei zu ziehen: Die Kamera und Photoshop sind Pinsel, Farben und Leinwand. Aber wer Pinsel, Farben und Leinwand besitzt, malt noch keinen Rembrandt oder Picasso! Dazu bedarf es eines Repertoires von Techniken, Können und visionärer Kraft.
MEHR DETAILS INS BILD
Eine der ersten Überraschungen des Workshops war für mich, welche Auflösung sich aus meiner Kamera (Nikon D800 mit immerhin 36 Megapixeln) herausholen lässt. Schärfungstechnik heißt das Stichwort. Aber nicht in einem Schritt, sondern in mehreren gut aufeinander abgestimmten Stufen. (Natürlich habe ich schon vorher einiges über Schär­fungs­tech­niken gewusst. Da gibt es tausende – natürlich jedesmal ultimative – Tricks. Aber gegen Davids Methode sind zumindest alle mir bekannten Schrott!) Um die Detailtreue des obigen Bildes zu vermitteln, hier ein paar Aus­schnitts­vergrößerungen:



Und hier sind noch die beiden anderen Bilder, die ich gemeinsam mit David ausgearbeitet habe. (Weitere Fotos aus Wales und Nordengland finden sich hier.)

Rhaeadr Ogwen, Wales 2016 Blick auf Afon Glaslyn und Llyn Gwynant, Wales 2016

Und zum Schluss noch ein Zitat aus Davids E-Mail vom 30. September 2016:
"Just quick email to say thanks for doing the workshop. My star student – the fastest learner in town!"

Thanks David. You were a great teacher. I have learned a lot. And I am very proud!
Werner

David Osborn – Landscape Photography
© Werner Kirsch, Köln. Alle Fotografien und Texte sind urheberrechtlich geschützt. Jegliche Nutzung nur mit Genehmigung des Urhebers.
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